Tierverbrauchsfrei Studieren
Wer Biologe, Biologielehrer, Arzt oder Tierarzt werden möchte, wird an den meisten deutschen Universitäten gleich zu Beginn seines Studiums mit Tierversuchen bzw. dem sogenannten „Tierverbrauch" konfrontiert. Darunter versteht man die Verwendung eigens zu Studienzwecken getöteter Tiere oder Teilen von ihnen. Präparationen von Tieren sowie Übungen an Organpräparaten, aber auch Versuche an lebenden Tieren sollen den Studierenden Grundbegriffe der Baupläne von Tieren und die Funktion der Organe vermitteln. Im Zoologiepraktikum beispielsweise werden Ratten, Schnecken, Insekten und andere Tiere getötet und aufgeschnitten, um Aussehen und Lage der Organe kennenzulernen. Weit verbreitet sind Tierversuche in der Physiologie, insbesondere sind hier die berüchtigten „Froschversuche" zu nennen. Den Fröschen wird der Kopf abgeschnitten, dann entnimmt man Organe wie Nerven, Muskeln oder das Herz. Auch abgetrennt vom Körper reagieren die Organe auf Reize wie Stromschläge oder Auftragen bestimmter Medikamente. Seit der italienische Arzt Aloysius Galvani im Jahr 1780 die elektrische Froschmuskelreizung erstmals beschrieb, haben Generationen von Studenten in aller Welt diesen Versuch an Abermillionen von Fröschen durchgeführt.
Video „Ersatz von Tierversuchen in der Ausbildung durch formelle Vereinbarungen mit Universitäten in der Ukraine“
Mit dem Aufruf des Videos erklären Sie sich einverstanden, dass Ihre Daten an YouTube übermittelt werden und das Sie die Datenschutzerklärung gelesen haben.
Tierverbrauchsfreie Lehrmethoden
Heute gibt es eine geradezu unüberschaubare Vielzahl moderner tierverbrauchsfreier Lehrmaterialien, mit denen sich die Lehrinhalte einprägsam, didaktisch sinnvoll und ethisch einwandfrei darstellen lassen. Allein die Datenbank von InterNICHE listet über 1.200 Filme, Computerprogramme, Simulatoren, Modelle usw.
Videofilme
Videofilme von Versuchen oder Demonstrationen können, auf Großbildleinwand projiziert, für alle Studenten deutlich sichtbar gezeigt werden. Wichtige Abschnitte können beliebig oft in Großaufnahme oder in Zeitlupe wiederholt und erläutert werden.
Computersimulationen
Mit modernen Computerprogrammen lassen sich physiologische Phänomene täuschend echt nachahmen. Eine Kurve, z.B. zur Reizfrequenz, wird nicht durch den zuckenden Froschmuskel gezeichnet, sondern durch den Computer, nachdem der Studierende verschiedene Parameter im virtuellen Labor eingestellt hat. Viele Programme sind hoch interaktiv und fordern vom Studierenden aktive Mitarbeit. Auf diese Weise wird eine besonders hohe Einprägsamkeit erreicht. Computersimulationen gibt es nicht nur für physiologische Versuche, sondern auch für morphologische Präparationen, pharmakologische Experimente und vieles mehr.
Selbstversuche
Die Physiologie kann mit harmlosen Selbstversuchen am eigenen Körper erfahren werden. Die Einprägsamkeit erhöht sich dadurch erheblich. Mit myographischen Verfahren können so Muskelströme und -mechanik z.B. anstatt an einem Froschmuskel am Arm eines Studenten bestimmt werden.
Verantwortungsvolle Verwendung toter Tiere
Es ist absolut nicht nötig, für anatomische Studien eigens Tiere zu töten. Schließlich werden in Anatomiekursen im Studium der Humanmedizin ja auch nicht eigens Menschen umgebracht. In den tierärztlichen Kliniken und Praxen fallen gestorbene oder aus medizinischer Indikation eingeschläferte Tiere an, die für diesen Zweck verwendet werden können. Für Biologiestudenten eignen sich tot aufgefundene Insekten, Regenwürmer etc.
Plastinationen, Modelle
Bei dem Verfahren der Plastination werden Organe oder ganze Tiere in einen gummiartigen, beliebig lange haltbaren Zustand überführt, ohne dabei Form und Farbe zu verlieren. Kunststoffmodelle von Tieren und Organen veranschaulichen die Anatomie. Zur Übung von Injektionen, Blutentnahmen, chirurgische Eingriffe usw. eignen sich Silikonmodelle.
Simulatoren
Mit dem „Traumaman“ und ähnlichen Simulatoren können Notfallsituationen geübt werden. Der „Patient“ atmet, hat Herzschlag und Puls, er blutet und reagiert auf Behandlungsmaßnahmen. Für die Tiermedizinerausbildung gibt es ähnliche Dummies, z.B. Hündin Alberta der amerikanischen Firma SynDaver. Angehende Tiermediziner können an ihr alle nur denkbaren Eingriffe üben, von der Intubation über Kastration bis zur Tumorentfernung und Knochenoperation.
Virtual Reality
Virtual Reality für Chirurgen funktioniert wie ein Flugsimulator in der Pilotenausbildung. Eine Echtzeit-Simulation mit Videoaufnahmen aus echten OPs und haptischer Wahrnehmung, d.h. der Chirurg fühlt, wenn er mit den Instrumenten auf Gewebe trifft, es schneidet, mit der Pinzette zieht oder schiebt. Das Simulationsprogramm rechnet das Tastgefühl um und präsentiert auf dem Bildschirm entsprechende Bilder aus einer riesigen Videodatenbank.
Lernen am Patienten
Studierende der Tiermedizin können Behandlungen und diagnostische Untersuchungen (EKG; Venenpunktionen, Reflexe usw.) an Tierpatienten erlernen, so wie es auch in der Humanmedizin üblich ist. Operieren lernen sowohl Tier- als auch Humanmediziner, nachdem sie an Simulatoren geübt haben, indem sie einem erfahrenen Operateur assistieren, um dann unter Aufsicht schrittweise Eingriffe selbst vorzunehmen.
Osteuropa-Projekt
Während es an vielen deutschen Universitäten immer noch am guten Willen mangelt, fehlt es in manchen Ländern nur an Informationen und Finanzmitteln. Viele Hochschullehrer in Ländern wie der Ukraine stehen modernen, computergestützten Lehrmethoden aufgeschlossen gegenüber. Das Osteuropa-Projekt der Ärzte gegen Tierversuche e.V. hilft interessierten Professoren, auf tierverbrauchsfreie Lehrmethoden umzusteigen. So können mit relativ einfachen Mitteln konkret Tierleben gerettet werden.
Video „Humane Ausbildung in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion“
Mit dem Aufruf des Videos erklären Sie sich einverstanden, dass Ihre Daten an YouTube übermittelt werden und das Sie die Datenschutzerklärung gelesen haben.
Weitere Informationen